Clemens Brentano

Wenn die Sonne weggegangen

 

Wenn die Sonne weggegangen,

kömmt die Dunkelheit heran,

Abendrot hat goldne Wangen,

Und die Nacht hat Trauer an.

 

Seit die Liebe weggegangen,

Bin ich nun ein Mohrenkind,

Und die roten, frohen Wangen,

Dunkel und verloren sind.

 

Dunkelheit muß tief verschweigen,

Alles Wehe, alle Lust,

Aber Mond und Sterne zeigen,

Was ihr wohnet in der Brust.

 

Wenn die Lippen dir verschweigen

Meines Herzens stille Glut,

Müssen Blick und Tränen zeigen,

wie die Liebe nimmer ruht.

 

(1803)

 

 

 

 

Gottfried August Bürger

Das harte Mädchen

 

Ich sah so frei und wonnereich
Einst meine Tag’ entschlüpfen,
Wie Vögelchen, von Zweig auf Zweig,
Beim Morgenliede hüpfen.

 

Fragt jeden Sommerwind, der hier
Die Blumenau erfrischet:
Ob je ein Seufzer sich von mir
in seinen Hauch gemischet?

 

Fragt nur den stillen Bach im Klee:
Ob er mich klagen hörte?
Und ob von mir ein Tränchen je
Die kleinen Wellen mehrte?

 

Mein Auge schaute falkenhell,
Durch meilenlange Räume.
Wie Gems und Eichhorn, sprang ich schnell
Auf Felsen und auf Bäume.

 

Sobald ich auf mein Lager sank,
Entschlief ich ungestöret.
Des Wächters Horn und Nachtgesang
Hat nie mein Ohr gehöret.

 

Nun aber sind mir Lust und Scherz
Und Mut und Kraft vergangen.
Ein hartes Mädchen hält mein Herz,
Mein armes Herz gefangen.

 

Nun hauch’ ich meine Seele schier
Erseufzend in die Winde,
Und girre kläglich hin nach ihr,
Gleich einem kranken Kinde.

 

Nun müssen Bach und Klee genung
Verliebter Zähren saugen,
Und graue Nebeldämmerung
Umwölkt die muntern Augen.

 

Nun härm’ ich ganze Nächte lang,
Auf schlummerlosem Lager,
Die leichten Glieder matt und krank,
Die vollen Wangen hager.

 

An meinem Leben nagt die Wut
Grausamer Seelengeier;
Nagt Eifersucht auf fremde Glut,
Nagt mein verschmähtes Feuer.

 

Das harte Mädchen sieht den Schmerz,
Und mehrt ihn dennoch stündlich.
O Liebe, kennst du noch ein Herz,
Wie dieses, unempfindlich? –

 

Ein einzig Lächeln voller Huld
Würd’ allen Kummer lindern,
Und ihre nicht erkannte Schuld
Bald tilgen, oder mindern.

 

Mich weckte wohl ihr süßer Ton
Noch aus dem Grabe wieder;

Ja, wär’ ich auch im Himmel schon,
Er lockte mich hernieder.

 

(1778)

 

 

 

 

Andreas Gryphius

Menschliches Elende

 

Was sind wir Menschen doch? Ein Wohnhaus grimmer Schmerzen,

Ein Ball des falschen Glücks, ein Irrlicht dieser Zeit,

Ein Schauplatz herber Angst, besetzt mit scharfem Leid,

Ein bald zerschmelzter Schnee und abgebrannte Kerzen.

 

Dies Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Scherzen.

Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid

Und in das Totenbuch der großen Sterblichkeit

Längst eingeschrieben sind, sind uns aus Sinn und Herzen.

 

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt

Und wie ein Strom verscheußt, den keine Macht aufhält,

So muß auch unser Nam, Lob, Ehr und Ruhm verschwinden.

 

Was itzund Atem holt, muß mit der Luft entfliehn,

Was nach uns kommen wird, wird uns ins Grab nachziehn.

Was sag ich? Wir vergehen wie Rauch von starken Winden.

 

 

 

 

 

Andreas Gryphius

Tränen des Vaterlandes

 

Wir sind doch nunmehr ganz, ja mehr denn ganz verheeret!

Der frechen Völker Schar, die rasende Posaun,

Das vom Blut fette Schwert, die donnernde Kartaun

Hat aller Schweiß und Fleiß und Vorrat aufgezehret.

 

Die Türme stehn in Glut, die Kirch ist umgekehret.

Das Rathaus liegt im Graus, die Starken sind zerhaun.

Die Jungfraun sind geschänd’t, und wo wir hin nur schaun,

Ist Feuer, Pest und Tod, der Herz und Geist durchfähret.

 

Hier durch die Schanz und Stadt rinnt allzeit frisches Blut.

Dreimal sind schon sechs Jahr als unser Ströme Flut.

Von Leichen fast verstopft, sich langsam fortgedrungen.

 

Doch schweig ich noch von dem, was ärger als der Tod,

Was grimmer denn die Pest und Glut und Hungersnot,

Daß auch der Seelenschatz so vielen abgezwungen.

 

(1636)

 

 

 

 

Andreas Gryphius

Tränen in schwerer Krankheit

 

Mir ist, ich weiß nicht wie; ich seufze für und für.

Ich weine Tag und Nacht, ich sitz in tausend Schmerzen

Und tausend fürcht ich noch; die Kraft in meinem Herzen

Verschwind’t, der Geist verschmacht’, die Hände sinken mir.

 

Die Wangen werden bleich, der munteren Augen Zier

Vergeht gleich als der Schein der schon verbrannten Kerzen.

Die Seele wird bestürmt gleich wie die See im Märzen.

Was ist dies Leben doch, was sind wir, ich und ihr?

 

Was bilden wir uns ein? Was wünschen wir zu haben?

Itzt sind wir hoch und groß und morgen schon vergraben;

Itzt Blumen, morgen Kot; wir sind ein Wind, ein Schaum,

 

Ein Nebel und ein Bach, ein Reif, ein Tau, ein Schatten;

Itzt was und morgen nichts, und was sind unsre Taten

Als ein mit herber Angst durchaus vermischter Traum.

 

(1640)

 

 

 

 

Georg Heym

Mitte des Winters

 

Das Jahr geht zornig aus. Und kleine Tage

Sind viel verstreut wie Hütten in den Winter.

Und Nächte, ohne Leuchte, ohne Stunden,

Und grauer Morgen ungewisse Bilder.

 

Sommerzeit. Herbstzeit, alles geht vorüber

Und brauner Tod hat jede Frucht ergriffen.

Und andere kalte Stauden sind im Dunkel

Die wir nicht sahen von dem Dach der Schiffe.

 

Weglos ist jedes Leben. Und verworren

Ein jeder Pfad. Und keiner weiß das Ende,

Und wer das suchet, daß er einen fände,

Der sieht ihn stumm, und schüttelnd leere Hände.

 

(o.J.)

 

 

 

 

Friedrich HölDerlin

Hälfte des Lebens

 

Mit gelben Birnen hänget

Und voll mit wilden Rosen

Das Land in den See,

Ihr holden Schwäne,

Und trunken von Küssen

Tunkt ihr das Haupt

Ins heilignüchterne Wasser.

 

Weh mir, wo nehm ich, wenn

Es Winter ist, die Blumen, und wo

Den Sonnenschein,

Und Schatten der Erde?

Die Mauern stehn

Sprachlos und kalt, im Winde

Klirren die Fahnen.

 

(1805)

 

 

 

 

Justinus Kerner

Geisterzug

Ich geh’ in düstrer Nacht allein
Durchs tiefe, tiefe Tal,
Die Mühle schweigt, es ruht ihr Stein.
Herz! könnt’st du ruhn einmal!

Der Himmel ist so sternenleer!
So öd die Erde ist!
Hab’ keine, keine Heimat mehr,
Seit du gestorben bist.

Wie lag so schwer auf mir der Tag!
Du stille Nacht, sei mild! –
Da schwebt ja durch das grüne Hag
Sein stilles Totenbild.

Hör, Lieber, mich! Gibst keinen Laut,
Schwebst stumm voran mir nur!
Ja! lieber, lieber Schatten traut,
Will folgen deiner Spur!

Sanft weht ein kühler Hauch mich an,
Der ziehet mich nach dir.
Das hast, Geliebter! du getan!
Und fort muß ich von hier.

Fort ziehst du mich, muß heute noch
Mit dir zu Grabe gehn.
Ihr Lieben! Lieben, laßt mich doch!
Ade! auf Wiedersehn!

 

(o.J.)

 

 

 

 

Nikolaus Lenau

Dein Bild

 

Die Sonne sinkt, die Berge glüh’n,

Und aus des Abends Rosen

Seh’ ich so schön dein Bild mir blüh’n,

So fern dem Hoffnungslosen.

 

Strahlt Hesperus dann hell und mild

Am blauen Himmelsbogen,

So hat mit ihm dein süßes Bild

Die Sternenflur bezogen.

 

Im mondbeglänzten Laube spielt

Der Abendwinde Säuseln;

Wie freudig um dein zitternd Bild

Des Baches Wellen kräuseln! –

 

Es braust der Wald, am Himmel zieh’n

Des Sturmes Donnerflüge,

Da mal’ ich in die Wetter hin,

O Mädchen, deine Züge.

 

Ich seh’ die Blitze trunkenhaft

Um deine Züge schwanken,

Wie meiner tiefen Leidenschaft

Aufflammende Gedanken.

 

Vom Felsen stürzt die Gemse dort,

Enteilet mit den Winden;

So sprang von mir die Freude fort

Und ist nicht mehr zu finden.

 

Da bin ich, weiß nicht selber wie,

An einen Abgrund kommen,

Der noch das Kind der Sonne nie

In seinen Schoß genommen.

 

Ich aber seh’ aus seiner Nacht

Dein Bild so hold mir blinken,

Wie mir dein Antlitz nie gelacht; –

Will’s mich hinunterwinken? –

 

(1832)

 

 

 

 

Nikolaus Lenau

Einst und jetzt

 

»Möcht ich wieder in die Gegend,

Wo ich einst so selig war,

Wo ich lebte, wo ich träumte,

Meiner Jugend schönstes Jahr.«

 

Also sehnt ich in der Ferne

Nach der Heimat mich zurück,

Wähnend, in der alten Gegend

Finde sich das alte Glück

 

Endlich ward mir nun beschieden

Wiederkehr ins traute Tal;

Doch es ist dem Heimgekehrten

Nicht zumut wie dazumal.

 

Wie man grüßet alte Freunde

Grüß ich manchen lieben Ort;

Doch im Herzen wird so schwer mir,

Denn mein Liebstes ist ja fort.

 

Immer schleicht sich noch der Pfad hin

Durch das dunkle Waldrevier;

Doch er führt die Mutter abends

Nimmermehr entgegen mir.

 

Mögen deine Grüße rauschen

Vom Gestein, du trauten Bach;

Doch der Freund ist mir verloren,

Der in dein Gemurmel sprach.

 

Baum, wo sind die Nachtigallen,

Die hier sangen einst so süß?

Und wo, Wiese, deine Blumen,

Die mir Rosa sinnend wies? –

 

Blumen fort und Nachtigallen

Und das gute Mädchen auch!

Meine Jugend fort mit ihnen;

Alles wie ein Frühlingshauch!

 

(1832)

 

 

 

Jakob Michael Reinhold Lenz

Ach, bist du fort? aus welchen güldnen Träumen

 

Ach, bist du fort? Aus welchen güldnen Träumen

Erwach’ ich jetzt zu meiner Qual!

Kein Bitten hielt dich auf, du wolltest doch nicht säumen,

Du flogst davon zum zweitenmal.

 

Zum zweitenmal sah ich dich Abschied nehmen,

Dein göttlich Aug’ in Tränen stehn,

Für deine Freundinnen – des Jünglings stummes Grämen

Blieb unbemerkt, ward nicht gesehn.

 

O warum wandtest du die holden Blicke

Beim Abschied immer von ihm ab?

O warum ließest du ihm nichts, ihm nichts zurücke

Als die Verzweiflung und das Grab?

 

Wie ist die Munterkeit von ihm gewichen!

Die Sonne scheint ihm schwarz, der Boden leer,

Die Bäume blühn ihm schwarz, die Blätter sind verblichen,

Und alles welket um ihn her.

 

Er läuft in Gegenden wo er mit dir gegangen,

Im krummen Bogengang, im Wald, am Bach –

Und findet dich nicht mehr – und weinet voll Verlangen

Und voll Verzweiflung dort dir nach.

 

Dann in die Stadt zurück, doch die erweckt ihm Grauen,

Er findet dich nicht mehr, Vollkommenheit!

Ein andrer mag nach jenen Puppen schauen,

Ihm sind die Närrinnen verleid’t.

 

O laß dich doch, o laß dich doch erflehen,

Und schreib ihm einmal nur – ob du ihn liebst!

Ach, oder laß ihn nie dich wiedersehen,

Wenn du ihm diesen Trost nicht gibst!

 

Wie? nie dich wiedersehn? – Entsetzlicher Gedanke!

Ström alle deine Qual auf mich!

Ich fühl’, ich fühl’ ihn ganz – es ist zu viel – ich wanke –

Ich sterbe, Grausame – für dich!

 

(1772)

 

 

 

Wilhelm Müller

Erstarrung

 

Ich such’ im Schnee vergebens
Nach ihrer Tritte Spur,
Hier, wo wir oft gewandelt
Selbander durch die Flur.

 

Ich will den Boden küssen,
Durchdringen Eis und Schnee
Mit meinen heißen Tränen,
Bis ich die Erde seh’.

 

Wo find’ ich eine Blüte,
Wo find’ ich grünes Gras?
Die Blumen sind erstorben,
Der Rasen sieht so blaß.

 

Soll denn kein Angedenken
Ich nehmen mit von hier?
Wenn meine Schmerzen schweigen,
Wer sagt mir dann von ihr?

 

Mein Herz ist wie erfroren,
Kalt starrt ihr Bild darin:
Schmilzt je das Herz mir wieder,
Fließt auch das Bild dahin.

 

(1822)

 

 

Christian Friedrich Daniel Schubart

Der Bettelsoldat

 

Mit jammervollem Blicke,
Von tausend Sorgen schwer,
Hink’ ich an meiner Krücke
In weiter Welt umher

 

Gott weiß, hab’ viel gelitten,
Ich hab’ so manchen Kampf
In mancher Schlacht gestritten,
Gehüllt in Pulverdampf.

 

Sah manchen Kameraden
An meiner Seite tot,
Und mußt’  im Blute waten,
Wenn es mein Herr gebot.

 

Mir drohten oft Geschütze
Den fürchterlichsten Tod,
Oft trank ich aus der Pfütze,
Oft aß ich schimmlicht Brot.

 

Ich stand in Sturm und Regen
In grauser Mitternacht,
Bei Blitz und Donnerschlägen,
Oft einsam auf der Wacht.

 

Und nun nach mancher Schonung,
Noch fern von meinem Grab,
Empfang’ ich die Belohnung –
Mit diesem Bettelstab.

 

Bedeckt mit dreizehn Wunden,
An meine Krück’ gelehnt,
Hab’ ich in manchen Stunden
Mich nach dem Tod gesehnt.

 

Ich bettle vor den Türen,
Ich armer lahmer Mann!
Doch ach! wen kann ich rühren?
Wer nimmt sich meiner an?

 

War einst ein braver Krieger,
Sang manch Soldatenlied
Im Reihen froher Sieger;
Nun bin ich Invalid.

 

Ihr Söhne, bei der Krücke,
An der mein Leib sich beugt,
Bei diesem Tränenblicke,
Der sich zum Grabe neigt;

 

Beschwör’ ich euch – ihr Söhne!
O flieht der Trommel Ton
Und Kriegstrommetentöne!
Sonst kriegt ihr meinen Lohn.

 

(1781)

 

 

 

 

Gotthold Friedrich Stäudlin

Seltha, die Kindermörderin

 

Ha! wie getroffen steh’ ich hier

Wie ist das Mark, die Seele mir

Von bangem Schaur durchflossen!

Ach weh! es ist dein Blut, mein Kind!

Das hier an diesen Felsen rinnt!

Ach weh! ich hab’s vergossen!

 

Vergossen, Mutter! Kindesblut!

Fühl’s ganz, wie lastend auf dir ruht

Der Fluch vom Sündenrächer!

Nimm, armes Weib! nimm aus der Hand

Der Rache, die von Gott gesandt,

Den giftgefüllten Becher!

 

Dich trifft die Rache nicht allein!

Auch Warthfils harret Höllenpein,

Der treulos dich verlassen?

Ha! siehst du nicht die Furien

Mit Geißeln, die den Schändlichen

An Nacken wütend fassen!

 

Der Falsche! – Ach! wie liebt’ ich ihn!

Gab ihm der Unschuld Blüte hin

Mit zärtlichen Bedauern!

Zertreten ist die Blume nun!

Der sie zertrat, er floh davon

Auf neuen Raub zu lauern!

 

Magst buhlen auch in fernem Land,

Verräter! wirst du doch der Hand

Des Richters nicht entfliehen!

In Stunden süßer Taumellust

Wirst fühlen in der bangen Brust

Die ganze Hölle glühen!

 

In jedem Traum mit Angst erfüllt

Wird mein und meines Kindes Bild

Dir vor den Blicken schweben!

Wirst hören meinen Fluch – wirst sehn

Bluttropfen den Getöteten

An Stirn’ und Wange kleben!

 

Will stehn am Lager Nächte lang

Und dir in stürmendem Gesang

Des Meineids Strafe singen!

Wie Donner soll ein jeder Schwur,

Von Gott gehört und der Natur,

In deine Ohren dringen! –

 

Ach wehe! da ich fluche dir,

Grausamer Vater! seh’ ich hier

Dein Kind zu meinen Füßen!

Ich sehe noch um seinen Mund,

Entstellt von Todesbläss’ und Wund’,

Ein süßes Lächeln fließen!

 

Weg Leichnam! – dein gebrochner Blick,

Dein totes Lächeln heischt zurück

Von mir, von mir dein Leben!

Wollt’ schmachten Jahre lang in Pein,

Ein Scheusal unter Menschen sein;

Könnt’ ich dir’s wieder geben!

 

So mordet dann mich Mörderin!

Nimmt all mein Blut mein Leben hin!

Was weil’ ich auf der Erde,

Wo meinen Blicken überall

Mein Kind erscheint in Todesqual

Mit blutiger Gebärde!

 

Straf Richter du und Rächer mich!

Erbarme mein, Erbarmer, dich!

O schon der Hoffnungslosen

Verlaßnen Mutter! – Ewig nicht

Verwirf von deinem Angesicht,

Die Kindesblut vergossen!

 

(1782)

 

 

 

 

Alfred Wolfenstein

Krankes Wohnen

Dieses Gehen im trüben Tunnel der Straße …
Bleiche Fenster spielen an mir vorbei.
Oben des kleinen Himmels Einerlei
Wirft in die Scheiben ein schiefes Lachen.

Trocken kreischt die hündisch liegende Straße,
Die mein Fuß in Unruh und Haß gebraucht.
Niedre Luft, von Stadtgerüchen durchraucht,
Speit auf meine Stirn aus pfeifenden Rachen.

Gähnend endet die Straße.
Und die zuckenden Lippen atmen ins Freie hinaus,
Wo sich warm der Tiefe Grün und goldene Hoheit umfängt …!
Doch ich werde mich wenden … dumpf gedrängt
In der Gewalt der Häuser bin ich zu Haus.

 

(1913)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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